Ortsgruppe Bietigheim

www.sav-bietigheim.de

Auf den Spuren der Gründung des Schwäbischen Albvereins

Bei herrlichem Sonnenschein, bei einem frühlingshaften Wetter, hat sich wieder eine große Gruppe des Albvereins Bietigheim zusammen mit einigen Gästen auf Wanderschaft begeben. Und es wurde – wie so oft – ein sehr informativer Ausflug.
Mit der Bahn fuhr man nach Esslingen und von dort mit dem Bus nach Wäldenbronn. Auf dem Weg zum Esslinger Höhenweg war der erste Halt beim Denkmal zu Ehren von Dr. Valentin Salzmann, dem Gründer des Schwäbischen Albvereins und ersten Vorsitzenden. In anschaulicher Weise versetzte der Wanderführer Wolfgang Umbach die Gruppe in die Zeit der Romantik.
Es gab vielerorts Verschönerungsvereine, die sich u. a. um die Erhaltung von historisch bedeutsamen Bauten, wie z. B. Burgen bemühten. Aus dem Esslinger Verschönerungsverein ist auf Initiative von Dr. Salzmann im Jahre 1888 der Schwäbische Albverein hervorgegangen, nach dem badischen Schwarzwaldverein und dem Rhönclub. In der Zeit der Verstädterung und Industrialisierung wollten die Menschen die Natur pur erleben – frei und ohne Sorgen. Das kam auch in den Wanderliedern zum Ausdruck, wie z. B. von J. V. von Scheffel: „Wohlauf, die Luft geht frisch und rein, wer lange sitzt muss rosten…“.

Ein langgezogener Aufstieg führte dann zur Katharinen-Linde. Ihre Bezeichnung ist auf eine Legende zurückzuführen: Die heilige Katharina von Alexandrien wurde hier von ihren Häschern gefasst. Auf ihren Vorschlag wurde eine Linde mit der Krone nach unten gepflanzt, die bald ergrünen und blühen würde. Das Wunder geschah und ihr Leben war gerettet. Einige Wanderer haben den Aussichtsturm bestiegen und hatten einen herrlichen Rundblick, so in Neckartal, nach Ludwigsburg und in der Gegenrichtung bis zur Burg Teck.

Nun ging es auf dem Höhenweg abwärts nach Esslingen. Dabei hatte man einen herrlichen Blick auf die Grabkapelle der Württemberger auf dem Rotenberg. In Esslingen wurde die Gruppe von der Stadtführerin erwartet. Der Rundgang wurde unter einem Steinrelief von Katharina von Alexandrien begonnen. Es zeigt eine stattliche Frau mit Krone, denn sie stammt aus einem Königshaus, mit Büchern, denn sie konnte lesen, eine große Ausnahme zu dieser Zeit und einem Richtschwert, denn sie wurde enthauptet. Die Stadtführerin verstand es, den mittelalterlichen Alltag im schwäbischen Dialekt darzustellen. Die Namen von Herrschern, verbunden mit vielen Jahreszahlen, blieben weitgehend weg.
Und dabei wurde in humorvoller Weise der Hintergrund mancher Redewendung erklärt. So musste ein Delinquent, der im Turm einsaß, selbst für seine Verköstigung aufkommen. Je mehr er davon dem Türmer überließ, umso besser war sein Aufenthalt. Manchmal reichte es zum Fliehen, zum Türmen. Wer die Bürgerrechte besaß, musste auch eine Waffe besitzen, mindestens aber einen Spieß, daher der Spießbürger.

Die freie Reichsstadt Esslingen mit viel Besitz, war eine Enklave innerhalb des Herzogtums Württemberg. Das weckte die Begehrlichkeit der württembergischen Herzöge. Zum Schutz waren eine Stadtmauer mit über 50 Türmen und 28 Toren erforderlich. Wenn ein Feind nahte, wurde dies durch Zeichen dem Türmer auf der Dionys-Kirche, heute evangelische Stadtkirche, gemeldet. Er hatte dann eine Glocke zu läuten. So entstand die Redewendung, es an die große Glocke hängen. Beim Einbau einer Fußbodenheizung wurde festgestellt, dass an dieser Stelle schon zwei Vorgängerkirchen aus dem 7. und 9. Jahrhundert gestanden haben. Das alte Rathaus ist ein Meisterwerk des schwäbisch-alemannischen Fachwerks. Vielerorts hat man sich im 19. Jahrhundert neue Rathäuser geleistet, in Esslingen war dies finanziell nicht möglich. So ließ man vom Architekten Schickhardt nur auf der Nordseite eine neue Giebelwand hochziehen, mit zwei Uhren und Figuren. Der Adler, der zur vollen Stunde die Flügel bewegt, schaut nicht wie üblich nach rechts, sondern grimmig nach links, nach Stuttgart.

Für diese Stadtführung gab es großen Applaus von der Gruppe und Dank vom Wanderführer. Dank gab es für Wolfgang Umbach von der Vorsitzenden Inge Schumacher für die Planung, Organisation und Führung der Wanderung.

Die Stadtführerin entließ die Gruppe zur obligatorischen Schlusseinkehr mit dem Spruch: „Wer nicht genießt, wird ungenießbar“.
                                                                                                                                    Hans Hoppe


Inschrift des Denkmals für Dr. Salzmann


Blick hinüber zur Grabkapelle auf dem Rothenberg


Rathausgiebel Esslingen


Die Kunstuhren am Rathaus