Ortsgruppe Bietigheim

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Aus der Vergangenheit die Gegenwart und Zukunft verstehen lernen“
Bietigheimer Albverein auf den Spuren der Waldenser

Für die monatliche Halbtageswanderung im April hatte die Ortsgruppe Bietigheim des Schwäb. Albvereins sich einen Besuch des Waldenser-Museums in Ötisheim – Schönenberg vorgenommen. Vorbereitet und durchgeführt wurde die Tour von Hans Lehle.

Herzog Eberhard-Ludwig hatte neben dem Bau des Ludwigsburger Schlosses dem Antrag der aus ihren Wohngebieten im Piemont ausgewiesenen Mitglieder der Waldenserbewegung stattgegeben, sich in geeigneten Gebieten seines Herrschaftsgebietes anzusiedeln. Französisch klingende Ortsnamen wie Groß- und Kleinvillars, Pinache, Perouse, zeugen noch heute von diesem Ereignis um
1699 – 1701. Die Zuweisung in diese Gebiete erfolgte, da sie durch den Spanischen Erbfolgekrieg, durch Seuchen und dergl. einen besonders hohen Bevölkerungsverlust und Wirtschaftseinbußen erlitten hatten.

Nach einer kurzen Bahnfahrt bis Mühlacker machten sich die Wanderer bei strahlendem Sonnenschein, aber vergleichsweise kühlen Temperaturen auf den meist durch Wald führenden Weg nach Schönenberg. Blühende Bäume und Vogelrufe sorgten für eine entsprechende Frühlingsstimmung. Fast zu bald wurde das Ziel erreicht, wo für die vorbestellte Führung Frau Vallon auch schon bereit stand. Ihre Beziehung zu den Waldensern war schon aus ihrem Namen erkenntlich.
In der von ihrem Anführer Henri Arnaud begründeten ersten Kirche erfuhren die Teilnehmer viel Interessantes, so z.B., wie durch die Waldenser der Kartoffelanbau bei uns Eingang fand.
Dem für die Seidegewinnung zur Fütterung der Raupen notwendigen Anbau von Maulbeerbäumen war aus klimatischen Gründen kein Erfolg beschieden. Dagegen gab der Anbau von Leguminosen wie Rotklee und Luzerne durch die Besömmerung der Brache in der Dreifelderwirtschaft wertvolle Hilfen in der späteren Bauernbefreiung.

Das ganze Ausmaß der Waldenserbewegung erschloss sich den Teilnehmern in den Ausführungen zur Namensgebung, die auf einen Laienprediger namens Valdes um 1174 in Lyon zurückgeht.

Im folgenden Rundgang durch das zum Museum umgewandelte ehemalige Wohnhaus des Begründers Henri Arnaud erfuhren die Besucher noch manche Einzelheiten aus den Zeiten der Ansiedlung. So ging in Württemberg um 1850 die bis dahin eigene Kirchenverfassung in französischer Sprache in der allgemeinen Evang. Landeskirche auf, während sie in Italien bis heute eigenständig besteht. Welche Bedeutung dem Liedgut in der Reformationszeit zukommt, ist daraus ersichtlich, dass ein ganzer Raum seiner Entwicklung gewidmet ist.

Dank einer Vorbestellung konnte die reichlich geistige Kost zur rechten Zeit durch eine notwendige echte Mahlzeit im nahen „Lamm“ ergänzt werden, so dass schon am frühen Nachmittag die Rückfahrt mit der Bahn von Ötisheim aus möglich war.

Für Interessenten sei noch abschließend die Telefonverbindung des Henri-Arnaud-Hauses angegeben: 07041/ 7436.

Bilder:


Kühl, -aber Frühling


Das Wappen der Waldenser


Tracht der Waldenserin


Vor der Waldenserkirche