Ortsgruppe Bietigheim
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Vom Landwirtschaftsmuseum bis zu Franziska von Hohenheim
 

An einem bereits recht herbstlich anmutenden, aber sonnigen Morgen begab sich eine Gruppe des Schwäbischen Albvereines Bietigheim auf Erkundungstour in den Süden Stuttgarts, nach Hohenheim.

Der Wanderführer, Herr Dr. Lehle, der selbst an der Hohenheimer Universität einst ein agrarwissenschaftliches Studium absolvierte und danach einige Zeit dort tätig war, machte uns mit dem Direktor des Deutschen Landwirtschaftsmuseums, Herrn Dr. Herrmann bekannt, der uns dann über zwei Stunden durch die Museumsräume und übers angrenzende Außengelände führte.

Wenn man(n) oder vor allem Frau glaubte, dass dies eine trockene Technikveranstaltung wird, so sah man sich getäuscht. Launig, mit Anekdoten gespickt und voller Idealismus „seinem“ Museum gegenüber, brachte uns Herr Herrmann alles Wissenswerte über Ackerbau und Viehzucht nahe.

Von den Anfängen bis zur Neuzeit konnte die Gruppe die Entwicklung der Feldwirtschaft verfolgen und dabei feststellen, dass die körperliche Schwerarbeit vor allem von den Frauen geleistet wurde, aber auch die Torturen der Kühe beim Einsatz der ersten Melkmaschinen waren fast körperlich zu erspüren.

Die mit viel Mühe und vor allem mit Ausdauer zusammengetragenen und fachgerecht restaurierten Museumsstücke sind durchweg Schenkungen oder aus Spenden finanziert, da es für das Museum keinen Etat für Ankäufe gibt. Trotzdem ist das Hohenheimer Museum - ein Anhängsel der Uni - das bedeutendste Landwirtschaftsmuseum Deutschlands und nimmt an Menge und Vielseitigkeit der Exponate die Spitzenstellung ein, wie es auch die umfangreiche Traktorensammlung beweist.

Selbst der Elektrifizierung der Landwirtschaft oder der Sparte der Kleinbrenner sind Abteilungen gewidmet. Leider war die Zeit zu kurz, um die Ergebnisse der Schnapsbrennerei verkosten zu können!

Die Wanderfreunde konnten ferner erfahren, dass auch der Versuchsanbau sowie Forschung und Züchtung zukunftsträchtiger Pflanzen auf dem Campusgelände eine wichtige Rolle spielen.

Nach der Mittagsrast in der historischen „Wirtschaft Zur Garbe“ schloss sich ein Spaziergang durch den wunderschönen, alten Hohenheimer Park mit seinen zahlreichen seltenen Gehölzen an.
Der weitere Weg führte uns zum Schloss. Eingangs berichtete der Wanderführer über die Zeit, sowie das Leben und Wirken von Franziska, Reichsgräfin zu Hohenheim, einer Frau, die aus einfachen adeligen Kreisen stammend, es später nach Scheidung von einem Kammerherrn über die Station einer Mätresse zur anerkannten Herzogin von Württemberg brachte. Dank ihrer Wohltätigkeit und ihres mäßigenden Einflusses auf den Herzog wurde sie schon zu Lebzeiten als „Guter Engel Württembergs“ bezeichnet.
Es gelang ihr, den unberechenbaren und prunksüchtigen Herzog zu einem fürsorglichen Landesvater umzuerziehen. Und so steht sie bei der Bevölkerung bis heute in so lebendigem Andenken, wie sonst keine Frau des Hauses Württemberg.

Etwas pflastermüde traten die Albvereinler dann am Nachmittag dieses warmen Spätsommertages die Heimfahrt nach Bietigheim an. Mancher äußerte, dass er mit dem Gedanken spiele, ein weiteres Mal nach Hohenheim zurück zu kehren, um die Vielfalt des Museums oder die historische Parkanlage noch einmal in aller Ruhe zu genießen.