Ortsgruppe Bietigheim
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Museumstour des Schwäbischen Albvereins nach Weinsberg und ins Kernerhaus am 08. Januar 2012
Der erste Ausflug im Neuen Jahr führte unsere
Gruppe des Albvereins nach Weinsberg. Es gehörte schon Mut dazu, sich bei dem
stürmischen und regnerischen Wetter für die angekündigte Museumstour anzumelden.
Aber wir hatten Glück und am Zielort angekommen zeigten sich immer mehr blaue
Flecken am Himmel.
Zunächst gingen wir am Stadtseebach entlang zum
Lindenplatz. An dieser Stelle fand im Bauernkrieg 1525 ein dramatisches Ereignis
statt.
Vorausgegangen war die Auseinandersetzung zwischen den Bauern, die um ihre
Rechte kämpften, und den herrschenden Ständen.
Beide hielten sich nicht an Absprachen und taktierten zu ihrem Vorteil. So kam
es zum sogenannten „Weinsberger Blut-Ostern“.
Der Amtmann Graf Helfenstein und seine Gefolgschaft wurden in die Spieße
getrieben. Die Bürger der Stadt Weinsberg mussten für die
Schmach des herrschenden Adels büßen. Der Ort wurde durch Brand zerstört und
seiner Stadtrechte beraubt.
Weiter ging es zu einer historischen Stätte, die
vom römischen Lebensstil um 160 n. Chr. zeugt. Es sind die Überreste eines
Badegebäudes
und eines dazugehörenden Gutshofes.
Die achteckige Stauferstele am Burgberg erinnert
an den Sieg des Stauferkönigs Konrad III. über die Welfen. Im Anschluss daran
ereignete
sich die Begebenheit der Weiber von Weinsberg. Es ist eine wahre, durch die
Kölner Chronik belegte Geschichte.
Der Weinsberger Wein- und Rosenrundweg ließ uns in
alle Himmelsrichtungen Ausschau halten: Auffallend die
Kette der Löwensteiner Berge,
das Weinsberger Tal mit dem hochaufragenden Heilbronner Kraftwerk im Hintergrund
und östlich die breite Spur der Nürnberger Autobahn.
Auf dem Weg rund um die Ruine Weibertreu fanden wir neben den Informationstafeln
zum Weinbau in die Steinmauer eingelassene Sinnsprüche
der Absolventen der staatlichen Lehranstalt. Einer gefiel uns besonders gut:
„Ein Diamant ist auch nur ein Stück Kohlenstoff, der es unter Druck
zu etwas gebracht hat“.
Am Ende des Rundgangs besuchten wir die
Johanneskirche, die mächtig zwischen Burg und Stadt auf einem Bergrücken in
staufischer Zeit
erbaut wurde. Sie hat im Laufe der Jahrhunderte viele Änderungen erfahren.
Besondere Aufmerksamkeit fand das sogenannte „Pfaffenloch“.
Es ist ein kleiner Andachtsraum, zu dem eine schmale Treppe hinunterführt. Hier
kann man sich von der Welt zurückziehen und meditieren.
Der Höhepunkt des Tages war der Besuch des
Kernerhauses. Herr Dr. Liebig breitete vor uns in rasantem Tempo, amüsant und
sehr
kenntnisreich das Leben des Dichters Justinus Kerner aus. Wir bekamen die
Denkweise und das Lebensgefühl der Romantik vermittelt,
die Lebensstationen von Kerner über die Ausbildung als Arzt und seine
verschiedenen Wirkungsstätten bis er in Weinsberg fest Fuß fasste.
Bekannt war das gastfreundliche Haus, das die tüchtige Ehefrau Friederike
organisierte. Viele berühmte Dichter gingen dort ein und aus
und es wurden anregende Gespräche geführt und gut gelebt.
Noch auf der Heimfahrt unterhielten wir uns, angeregt durch die außergewöhnliche
Führung, über die besondere Persönlichkeit von Justinus Kerner.
Helga Reuter